Naturvielfalt am Ölberg

Am Ölberg liegt ein beeindruckendes Mosaik aus Kulturland (Weinberge, Streuobstwiesen, Gärten), Trockenmauern, Hecken, Gehölzen und Brachen, das Lebensraum für hohen Artenreichtum in Flora und Fauna bietet. Viele Winzer betreiben besonders am Oberhang zunehmend ökologischen Weinbau „von Hand“ und mit einem besonderen Blick auf die Natur. Darüber hinaus werden Grundstücke und Wege aus Eigeninitiative und von den Gemeinden gepflegt, um die vorhandene Biodiversität zu erhalten und zu verbessern. Auf einfachen und teilweise naturbelassenen Wegen erfreut sich das Gebiet regen Besuches von Spaziergängern und Erholungssuchenden.

Die abwechslungsreiche Landschaft bietet Lebensraum für viele mittlerweile selten gewordene Vögel und ist ein wichtiger Teil des NATURA 2000 Vogelschutzgebietes Dossenheim-Schriesheim.

Alle auf dieser Seite gezeigten Bilder wurden am Ölberg aufgenommen (Copyright by Wolfgang Fischer).

Buntspecht

Buntspechte kommen am Ölberg recht zahlreich vor. Sie bauen die meisten Spechthöhlen, welche in den Folgejahren oft von anderen Vögeln, Siebenschläfern, Fledermäusen oder Insekten bewohnt werden. Man hört sie schon von weitem, wenn sie ein helles „kix“ als Warnruf ertönen lassen. Auch durch ihre schwarz-weiß-rote Färbung fallen sie aus der Ferne auf.

Finken

Wie der Name schon sagt, finden sich kleinere Trupps von Distelfinken mit 20-50 Exemplaren regelmäßig an Disteln oder Sommenblumen zur Futtersuche ein. Im Winter und Frühjahr sind sie öfters am Übergang vom Kulturland zu Streuobstwiesen und Wald zu finden. Im Sommer halten sie sich zur Nahrungssuche mehr in der Ebene auf. Die etwa sperlingsgroßen Vögel haben ein wunderschön bunt gefärbtes Gefieder.

Der Bergfink besucht uns meist in kalten Wintern, wenn er aus nördlicheren Gefilden auf der Hin- oder Rückreise zur Nahrungssuche in wärmere Gegenden zieht. Manchmal finden sich kleinere Trupps, gerne gemischt mit Grünfinken, die Sämereien aufpicken oder Futterstellen besuchen.

Grünfinken treten gerne in Trupps von 10-20 Exemplaren auf. Sie suchen im Winter gerne Futterstellen auf. Jungvögel haben eine gesprenkelte Brust. Die Männchen haben in der Paarungszeit eine besonders auffällige Färbung mit gelben und grünlichen Federn.


Grünspecht

Der Grünspecht ist wahrscheinlich der auffälligste Vogel am Ölberg. Sein aufgeregtes „Klü-Klü-Klü“ ist weithin zu hören. Wenn man genau schaut, fliegt er dann meist in wellenförmigen Bögen zum nächsten Baum, um sich in Sicherheit zu bringen. Er ernährt sich hauptsächlich von Ameisen und deren Brut.  


Schwalbenschwanz

Der Schwalbenschwanz ist einer unserer größten und schönsten Schmetterlinge. Sein Name kommt von kleinen, schwanzähnlichen Verlängerungen der Flügel am hinteren Ende. Er fliegt am Ölberg in 2-3 Generationen pro Jahr. In warmen Jahren fliegen die ersten Exemplare schon im März, die letzten bis Anfang Oktober. Die Raupen finden sich im Freiland vor allem an Wilder Möhre, in Hausgärten auch an Dill, Fenchel und selten auch an Petersilie. Die Raupen entwickeln sich je nach Temperatur in ca. 4-6 Wochen. Die Überwinterung erfolgt als Puppe.


Neuntöter

Neuntöter sind Zugvögel, die im Mai bei uns ankommen und nach der Brut im August bis ins südliche Afrika fliegen. Die Männchen nutzen gerne höhere Bäume oder Gehölze als Singwarte. Das Nest wird vorzugsweise in dichten Hecken oder Dornengestrüppen gebaut. Neuntöter ernähren sich von Insekten und anderen Kleintieren wie Mäusen oder Eidechsen. Dafür benötigen sie abwechslungsreiches Gelände mit Ansitzwarten und freien Bereichen, wie Wiesen oder Brachen. Am Ölberg finden sich 1-2 Brutpaare.


Eichelhäher

Eichelhäher sind mittelgroße Rabenvögel, die sich meist entsprechend des Angebotes der Jahreszeit ernähren. Im Herbst sind das oft Eicheln und andere Baumfrüchte, von denen sie auch Depots anlegen. In der Brutzeit ernähren sie sich von Insekten und deren Raupen und Larven, von kleinen Tieren bis zur Größe von jungen Kaninchen, sie sind aber auch als Nesträuber von anderen Vögeln bekannt und jagen sogar Turmfalken gelegentlich ihre Beute ab. Sie können die Stimmen von Raubvögeln und Katzen imitieren, oder einfach zur Warnung laut krächzen. Ihr Lebensraum sind lichte Wälder, Waldränder, Streuobstwiesen, aber auch Parkanlagen oder andere Grünbereiche in Ortschaften.


Rabenvögel

Elstern kommen in abwechslungsreicher Agrarlandschaft mit Hecken, Büschen, Streuobstwiesen, Weinbergen und Gärten recht zahlreich vor. Manchmal sitzen Gruppen von bis zu 15 oder mehr Elstern auf höheren Bäumen. Mit ihrer typischen schwarz-weißen Färbung und dem lauten "Schäckern“ sind sie auch aus größerer Entfernung nicht zu überhören. In der Sonne schimmert die schwarze Färbung bläulich oder grünlich. Sie suchen ihre Nahrung oft am Boden und ernähren sich von Insekten, Beeren und Obst, werden aber auch in Komposthaufen fündig.

Rabenkrähen fliegen meist in größeren Schwärmen, besonders wenn sie sich am Abend sammeln, um zu ihren Schlafbäumen zu fliegen. Sie sind kleiner als der Kolkrabe, aber größer als Saatkrähen.

Es gibt gelegentlich Hybriden mit Nebelkrähen, die schwarz-grau gefleckt sind. Sie sind Allesfresser und ernähren sich von Fallobst, Insekten, Kleintieren oder Aas.


Sperber

Sperber sind schnelle und wendige Flieger. Sie sind etwas größer als Turmfalken und zeigen nicht das turmfalkentypische „Rütteln“, sondern sitzen als Ansitzjäger oft stundenlang auf Sitzwarten in Bäumen. Weibchen sind etwas größer als Männchen und schlagen Beute bis zur Größe von Tauben. Sie suchen gelegentlich auch Futterstellen auf, um dort Kleinvögel zu erbeuten. Am Ölberg brütete in 2016 mindestens ein Brutpaar.


Turmfalke

Im letzten Jahr gab es mehrere erfolgreiche Bruten am Ölberg, im Spätsommer konnte man abends bis zu 7 Exemplare von der Fassdaubenbank aus am Himmel kreisen sehen. Die Besonderheit des Turmfalken ist das "Rütteln". Er steht dabei über seiner Beute, meist Mäusen, in der Luft, um dann plötzlich steil herabzustoßen und die Beute zu fassen.


Amsel

Der Bestand an Amseln hat sich nach einem Massensterben in 2011 und 2012, verursacht durch das Usutu-Virus, dramatisch reduziert. Die Krankheit wird in den Sommermonaten von Stechmücken übertragen und führt besonders bei Amseln zum Tod. Nach einem erneuten Auftreten in etwas geringerem Umfang in 2016 haben sich die Bestände aktuell wieder etwas erholt. Amseln brüteten 2016 in mehreren Hecken und Gehölzen.


Heckenbraunelle

Ein unauffälliger und gut getarnter Vogel, der manchmal den Eindruck erweckt, am Boden schneller wegrennen zu können, als andere Vögel wegfliegen! Auffällig am ehesten in der Balz, wenn er auch mal längere Zeit Singwarten in seinem Revier belegt. Er sucht seine Nahrung meist am Boden: Würmer, Käfer, kleine Schnecken und Sämereien.


Mönchsgrasmücke

Mönchsgrasmücken brüten in den letzten Jahren recht häufig am Ölberg, sie benötigen einen abwechslungsreichen Lebensraum mit Grünland, Hecken und größeren Gehölzen. Sie zeichnen sich besonders in der Balz durch einen sehr melodischen Gesang aus. Erwachsene Männchen haben eine schwarze "Kappe", Weibchen besitzen eine "braune". In der Brutzeit besteht die Nahrung meist aus Spinnen und Larven, später kommen auch Beeren dazu. Mit der Erwärmung unseres Klimas in den letzten Jahren versuchen einzelne Mönchsgrasmücken bei uns zu überwintern.


Rotkehlchen

Rotkehlchen waren im Winter 2016/2017 sehr häufig, wahrscheinlich kamen viele als Kurzstreckenzieher in den frostigen Tagen in unsere mildere Gegend. Sie haben eine recht geringe Fluchtdistanz und singen viele verschiedene melodische Strophen. Das trägt zu ihrer Beliebtheit bei uns bei.


Rotmilan

Der Rotmilan zeichnet sich durch den gegabelten Schwanz und seine rotbraune Farbe aus. Hier ein Exemplar, welches vom höchsten „13-Reben“-Baum startete, um nach Nahrung suchend über die Weinberge zu gleiten. Auch Schwarzmilane kommen bei uns vor.


Zaunkönig

Einer unserer kleinsten Vögel, aber mit enormer Stimme! Auffällig durch seinen kurzen hochstehenden Stummelschwanz und damit leicht von anderen Vögeln zu unterscheiden. Zaunkönige brüten gerne in halboffenen Nisthöhlen. Sie verfolgen uns manchmal regelrecht entlang von Wegen, bleiben dabei gerne dicht am Boden, geschützt von Gehölzen und niedriger Vegetation.


Stare

Nach starken Bestandsrückgängen ab 1960 hat sich der Gesamtbestand auf ca. 300.000 in Baden-Württemberg stabilisiert. Stare brüten zahlreich am Ölberg, liefern sich oft wochenlang erbitterte Kämpfe um Nisthöhlen, z.B. mit Bunt- und Grünspechten in Obstbäumen im Grünland, aber auch in Nadel- und Laubbäumen im Wald. Im Winter 2016/2017 blieben mehrere Trupps bei uns.


Gottesanbeterin

Im Zuge der Erhöhung der jährlichen Durchschnittstemperaturen breitet sich auch die europäische Gottesanbeterin in den warmen Gebieten der Rheinebene aus. Am Ölberg wurde sie seit 2013 beobachtet. Von Ende Juli / Anfang August bis Anfang Oktober findet sie sich vereinzelt in Weinbergen und Streuobstwiesen oder auch in der Krautzone von Wegesrändern. Die Eier werden in einer schnell erhärtenden schaumartigen Masse abgelegt. In diesen sogenannten Ootheken, die an Grashalme oder Gehölzstängel geheftet werden, überwintern die Eier bzw. Embryos bis zum nächsten Frühjahr.


Hirschkäfer

Die Männchen der Hirschkäfer sind die auffälligsten und größten Käfer, die am Ölberg vorkommen. Ihre Larven (Engerlinge) entwickeln sich über etwa 5 Jahre ausschließlich an morschem und abgestorbenem Altholz, weshalb sie keineswegs als Schädlinge bezeichnet werden können. Die Männchen nutzen ihre geweihartigen Oberkiefer, um Rivalen im Kampf um die Weibchen zu vertreiben. Die Hauptflugzeit der Käfer liegt zwischen Ende Mai und Juli.


Zaunammer

Von ungefähr 150 Zaunammer-Revieren in ganz Deutschland liegen etwa 100 in Rheinland-Pfalz und ca. 50 im südlichen Baden-Württemberg. Erst 2015 und 2016 konnten 3-4 Brutvorkommen im Natura 2000 Vogelschutzgebiet Dossenheim-Schriesheim nachgewiesen werden - eine ornithologische Sensation für Nordbaden, die viele Besucher anlockt. Das abwechslungsreiche Gelände am Oberhang bietet sonnenexponierte, trockene Hänge mit recht niedrigem Bewuchs z.B. in Weinbergzeilen und einzelnen Wiesen, Neubrachen, Gehölzen und einzelnen Singwarten. Es ist damit ein idealer Lebensraum für Zaunammern.

Das Nest für die 2-3malige Brut ist meist in niedriger Höhe, gut versteckt in einem dornigen Gestrüpp oder einer Trockenmauer. Ihre Nahrung sammeln sie überwiegend am Boden auf. Sie besteht aus Pflanzensamen und Kleinlebewesen.