Weinrundbrief Januar 2021

Um den Jahreswechsel war wieder etwas mehr Zeit zum Lesen. Von zwei Büchern, die mit meiner Arbeit und meinen Vorstellungen als Winzer zu tun haben, möchte ich Euch/Ihnen kurz berichten. 

Das eine Buch ist „Waldjournal“ von Josef H. Reichhoff. In Tagebuchform berichtet und reflektiert der Zoologe Reichhoff aus sechs Jahren Waldsparziergängen über den Zustand eines bayrischen Staatsforstes und Auwaldes. Er schaut genau hin, dokumentiert und vergleicht. Wetter und Klima definieren die Lebensbedingungen jeden Tag neu. Im Nachhinein lässt sich vieles erklären, jedoch muss man sich stets vor schnellen einfachen Erklärungen hüten. Reichhoff merkt immer wieder an, dass das komplexe Zusammenspiel von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Insekten kaum erforscht ist. Wir wissen z.B. kaum etwas über viele heimischen Insektenarten. 
Reichhoff kritisiert die Fortwirtschaft, die für wenig Ertrag viele und zerstörende Eingriffe in unseren Wald vornimmt. Gemeint mit „unser“ ist die Tatsache, dass ein Großteil des Waldes in Deutschland Staatseigentum ist und damit allen Bürgern gehört. Ganzjährig wird mit schwerem Gerät in vorwiegend Monokulturen geerntet und Randstreifen unnötigerweise oder zu früh gemäht. So geht Lebensraum verloren: so leben mittlerweile weit mehr Vögel in den Städten als in den Forsten. 

Im Buch „1000 Mühlen braucht das Land“ beschreibt Gerhard Waldherr die Entwicklung eines ökologischen Vorzeigebetriebes in Norddeutschland, die Bohlsener Mühle. Volker Krause, der Besitzer dieser Mühle, skizziert in einem zweiten Teil des Buches Grundregeln für eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft. 
Die von den Autoren kritisierte Zerstörung unserer Lebensgrundlagen durch die Wachstumsideologie und die industrielle, allein auf ökonomischen Profit ausgerichtete, (Land-)Wirtschaft sind allseits bekannt. Gewinne werden privatisiert und ökologische, soziale und gesundheitliche Folgekosten werden auf alle umverteilt. Das Sterben der Kleinbetriebe, Handwerker und Bauerhöfe und die Verstädterung sind eine weitere Folge dieser Entwicklungen. Die Autoren zeigen am Beispiel der Bohlsener Mühle, das im Rahmen der ökologischen Bewegung seit den 70-zigern des letzten Jahrhunderts Nischen entstanden sind, in denen sich „Ökounternehmen“ entwickeln konnten. Diese können als Vorbilder dienen, für eine Produktion, die nicht auf die Ausbeutung und Zerstörung der natürlichen Ressourcen angewiesen ist.
Beide Bücher berichten von der Entfremdung von unserer Natur. Sie zeigen aber auch die Kraft und den Lebenswillen der Natur selbst und auch Wege, wie wir Menschen uns mit unserer natürlichen Begrenzung (wieder) anfreunden können.

Zurück von der großen Bühne: Noch herrscht Winterruhe, die Weine reifen im Keller und 13reben konnte 2020 trotz Corona mit einem kleinem Umsatzplus abschließen. Wir sind ständig dabei, unsere Internetseite www.13reben.de mit dem Internetshop aufzuräumen, übersichtlicher und informativer zu gestalten. Der Verkauf kann eingeschränkt weitergehen. Sie können abholen oder aber wir liefern oder versenden per Post. 

Wir wünschen Ihnen für 2021 alles Gute.

Herzliche Grüße

Dieter König