Die Zukunft des Weinbaus

Gerade war ich auf dem Abschluss-Symposium INTERRREG V.Projekt VITIFUTUR in Freiburg. Dieses länderübergreifende Projekt fördert die Vernetzung von Wissenschaft und Praxis und die Entwicklung von innovativen Ansätzen und best practise für einen nachhaltigen Weinbau vor dem Hintergrund der Erderwärmung. Zentrales Ziel stellt dabei die Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln dar. Beteiligt waren Winzer und Institutionen aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Gefördert wurde das Projekt mit ca. 2 Mio. Euro durch die Europäische Union.

Spannend, was sich da alles tut – fast unbemerkt von der öffentlichen Diskussion. Ein Thema waren Züchtung und Anbau von pilzwiderstandsfähigen Sorten (PiWi´s). Beim Einsatz dieser Sorten reduziert sich der Einsatz von Pflanzenschutzmittel bis zu 75 %. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass es ganz ohne Pflanzenschutz ginge, aber es ist eine drastische Verbesserung. (Ich selbst habe die neuen Sorten Johanniter und Muscaris und bin sehr zufrieden.) Man arbeitet schon mehr als 100 Jahre in der Züchtung widerstandsfähiger Reben. Nötig wurde das, weil viele der heutigen Schädlinge (echter und falscher Mehltau, Reblaus) seit 1845 aus Amerika und Asien bei uns ankamen und die europäischen Edelreben keine natürlichen Resistenzen besitzen.

Viren – ein weiteres Thema des Symposiums – konnten 1898 erstmalig in Weinreben identifiziert wurden. Mittlerweile sind 80 unterschiedliche Virenarten in der Rebe bekannt. Und wie bei Menschen auch, gibt es da gute und schädliche Bewohner. Manche Virenkrankheiten, die zu Minderwuchs und Ertrags- und Qualitätseinbußen führen, nehmen in den letzten Jahrzehnten deutlich zu; seit 2015 von Frankreich aus z.B. auch der Grauburgunder-Virus. Wie man mit befallenen Stöcken umgeht und wie man einen Befall eindämmen kann, wurde ebenfalls auf dem Symposium diskutiert.

ESCA, das dritte große Thema des Symposiums – ist eine Krankheit des Holzes, die durch Pilze hervorgerufen wird. Die Forschungen belegen, dass diese Pilze lange Zeit ohne Schaden anzurichten, im Stamm leben können. Wenn dann aber die Rebe selbst Stress bekommt und der wird z.B. auch durch große Hitze und Trockenheit hervorgerufen, bekommt auch einer dieser Pilze Stress, vermehrt sich und stößt dabei Gifte aus, die wiederum die Rebe zum Absterben bringen. Mittlerweile sind 1 -5 % der Rebstöcke pro Jahr betroffen. Forscher versuchen nun Wege zu finden, um die Botenstoffe in den Reben im Sinne der Winzer zu beeinflussen.

Ein interessanter Aspekt des Forschungsprojekts war es auch, innovative Ansätze der Winzer selbst auszuwerten. Beispiele hier waren Tiere im Weinberg (z.B. Hühner, Schafe), Kompostierung, Maschineneinsatz und der Anbau von PiWi´s, der noch die Ausnahme ist.

Das Symposium zeigt, das Grundlagenforschung, Diagnostik und lange Versuchsreihen erforderlich sind, um Abläufe und Prozesse zu verstehen und gezielt reagieren zu können. Die Innovationen von morgen, wurden gestern und werden heute entwickelt. Und hier tut sich einiges. Und es ist wirklich erfrischend und effektiv zugleich, wenn Austausch und Entwicklung über Landesgrenzen hinaus geschehen.